Queer in Theorie und Praxis

1. März 2023, 15:00 - 16:30 Uhr

Der Begriff queer bezeichnete in der englischen Sprache ursprünglich Dinge, Handlungen oder Personen, die von der gesellschaftlichen Norm abweichen und wurde lange Zeit in den USA als homophobes Schimpfwort für Menschen verwendet, die nicht nach der heterosexuellen Norm lebten. Übersetzbar ist er mit «schräg», «sonderbar» und vielleicht am treffendsten mit «pervers», da dieses Wort den kontroversen Gehalt und das mitschwingende beleidigende Potential ebenfalls transportiert. In den 1980er und 1990er Jahren unterzogen Aktivist*innen das Wort im öffentlichen Diskurs einer Neubewertung und besetzten es politisch positiv. Der Begriff fungierte schon bald als Sammelbegriff für ein politisches Bündnis sexueller «Randgruppen» und zur Bezeichnung eines neuen theoretischen Konzepts, das sich aus den bereits etablierten Schwul-Lesbischen Studien entwickelt hat. In Europa tauchte das Konzept Anfang der 1990er Jahre auf. Die Etablierung des Begriffes verlief mit verschiedenen Schwerpunktsetzungen in zum Teil getrennten Szenen: Als akademischer Begriff in den Gender Studies und innerhalb einer sich politisch, aktivistisch und künstlerisch äußernden Subkultur. Sowohl im europäischen als auch im amerikanischen Kontext gibt es das Bemühen von Aktivist*innen, ihn politisch radikal zu definieren – also über eine Adaption als Synonym für LSBTI* hinaus – und ihn weiterhin mit Feminismus, Antirassismus, der Kritik der kapitalistischen Klassengesellschaft, des Ableismus, den Kämpfen von Sexarbeiter*innen und anderen politischen Bewegungen verbunden zu halten.

Auch wenn eine Undefinierbarkeit und Unbestimmtheit die Queeren Theorien prägt, wendet sich ihre Kritik in erster Linie gegen Heteronormativität: Sie stellt theoretisch und praktisch heterosexuelle Normen und das Konstrukt der Zweigeschlechtlichkeit infrage. Dieser Webtalk dreht sich um die Frage, inwiefern die Queeren Theorien als reflexive Praxis fungieren können.

• Fachimpuls: Dr. Dirk Schulz, Geschäftsführer von GeStiK – Gender Studies in Köln an der Universität zu Köln

  • Die Veranstaltung soll mithilfe von Gebärdendolmetscher*innen barrierearm gestaltet werden.

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