Digitales Regenbogenparlament „Mit Sicherheit Sichtbarkeit: Risiken und Nebenwirkungen von Vielfaltsengagement“ (DGS)

16. September 2026, 10:00 - 16:00 Uhr

Illustration: Inga Israel

Bedrohungen, Übergriffe und Gewalt gegenüber queeren Menschen und Personen, die sich für Gleichberechtigung einsetzen, nehmen zu. Umso wichtiger ist es, weiterhin über Vielfalt zu sprechen und sich mit klarer Haltung und Präsenz gegen Diskriminierung einzusetzen – egal ob in der Familie, im Jugendzentrum, auf einer Demo oder in den Medien.

Im Rahmen des digitalen Regenbogenparlaments 2026 möchten wir gemeinsam über Erfahrungsberichte, Good Practice und solidarische Strategien sprechen, um die Sicherheit von marginalisierten Personen und ihren Allies zu gewährleisten.

Tagesmoderation: Reina-María Nerlich

Uhrzeit Programmpunkt
10:00 Uhr Begrüßung der Teilnehmenden
10:20 Uhr Keynote: „Digitale Räume einnehmen – Wie wir auch online Banden bilden“ | Leonie Plaar (@frauloewenherz.de)

Rechter Hass auf marginalisierte Gruppen scheint online unausweichlich. Ob mit eigenen Inhalten oder in Kommentarspalten, rechte Inhalte, auch gegen LGBTQIA* Personen, wirken wie eine digitale Übermacht. Welche Strategie dahinter steckt, wie wir dagegen anhalten und ob es sich beim rechten Mob vielleicht nur um einen Scheinriesen handelt, besprechen wir in diesem Talk.

12:00 Uhr Mittagspause
13:00 Uhr Wahlangebote

• WAHLANGEBOT 1 [Workshop]: „Online Hate Speech: Zwischen Rückzug, Resilienz und Strafrecht“ | Fatma Zan und Dr. Oliver Honer (Bildungserferent*innen bei „REspect! im Netz“)

Online Hate Speech ist Alltag für viele – mit spürbaren Folgen. Im Workshop klären wir, was unter Online Hate Speech zu verstehen ist, wer besonders betroffen ist und welche Auswirkungen sie auf Betroffene und den öffentlichen Diskurs hat. Zudem beleuchten wir psychologische Mechanismen und Plattformlogiken, die Onlinehass begünstigen.

Angesichts dieser Herausforderungen wollen wir fragen: Wie kann man auf Hate Speech reagieren, Betroffene unterstützen und selbst handlungsfähig bleiben? Ein Schwerpunkt des Workshops wird darauf liegen, wo das Strafrecht Online Hate Speech Schranken setzt. Welche Tatbestände sind hier entscheidend und wie kann ich erkennen, ob eine Straftat vorliegt? Und welche Schritte unternehme ich, wenn dies der Fall ist?

Wir werden im Rahmen des Workshops anonymisierte Beispiele von queerfeindlichen Postings, sowohl oberhalb als auch unterhalb der Strafbarkeitsschwelle, anschauen und diskutieren.

• WAHLANGEBOT 2 [Workshop]: „An der Seite Betroffener rechter Gewalt“ | Anne Brügmann (Opferperspektive Brandenburg)

Die Opferperspektive berät seit 1998 Betroffene rechter Gewalt in Brandenburg. Dazu zählen neben Betroffenen rassistischer, antisemitischer, rechter und sozialdarwinistischer Angriffe auch Betroffene queer- und transfeindlicher Gewalt.

Aus einer zunächst ehrenamtlichen Initiative hat sich im Laufe der Jahre eine spezialisierte Fachberatungsstelle entwickelt. Neben der individuellen Beratung ist die Opferperspektive heute ein wichtiger zivilgesellschaftlicher Akteur zur Sichtbarmachung von Wirkung, Ausmaß und aktuellen Entwicklungen im Bereich rechter Gewalt.

Nach ihrem Vorbild haben sich bundesweit weitere spezialisierte Fachberatungsstellen gegründet, die sich im Dachverband der Beratungsstellen für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt (VBRG) zusammengeschlossen haben.

Anne Brügmann ist seit über 15 Jahren Beraterin bei der Opferperspektive. Im Workshop stellt sie die Arbeitsweise spezialisierter Opferberatung vor, gibt Einblicke in Wirkungsweisen und aktuelle Entwicklungen rechter Gewalt am Beispiel Brandenburgs und lädt zum gemeinsamen Austausch darüber ein, wie Betroffene besser unterstützt und rechte Gewalt wirksamer eingedämmt werden kann.

WAHLANGEBOT 3 [Workshop]: „Haltung zeigen – und wie?! Vielfalt verteidigen trotz Gegenwind“ | Bundesausschuss Queer der GEW

„Mittlerweile geht es ja nur noch um Regenbogenfahnen, ums Gendern, um Queers und ihre Bedürfnisse…!“

Diese Aussage ignoriert nicht nur die tatsächlichen gesellschaftlich-rechtlichen Rahmenbedingungen für queere Menschen und ihre gelebten Realitäten. Sie suggeriert ferner, dass eine queere Minderheit überbetont werde und immer vehementer anderen Menschen ihre Ansichten aufdrängen und gar fremdbestimmt dominieren will.

Doch gerade in schulischen und außerschulischen Kontexten, in der sozialen Arbeit und Wohlfahrt zeigt sich ein konträres Bild: Nach wie vor sind die vielfältigen Perspektiven von LSBTIAQ* unterrepräsentiert. Weiterhin sind die Teilhabe und Mitbestimmung von queeren Menschen an zusätzliche Herausforderungen gebunden und viel zu oft kommt es zu Diskriminierung oder gar Ausgrenzung.

Es steht fest: Haltung für die Rechte von LSBTIAQ* zu zeigen, ist wichtig. Die Frage ist jedoch, wie die Verteidigung von Vielfalt gelingen kann, insbesondere wenn der Gegenwind zunehmend rauer wird.

Vor diesem Hintergrund soll in diesem Angebot gemeinsam diskutiert und ggfs. Zugänge zu folgenden Fragen erarbeitet werden:

– Sichtbarkeit und Unsichtbarmachung: Welche Optionen bestehen, um die Vielfalt von queeren Menschen angemessen zu thematisieren?

– Sprechverbote: Welche Möglichkeiten und Handlungswege gibt es für die Sichtbarmachung von Vielfalt und Antidiskriminierung im mündlichen und schriftlichen Sprachgebrauch?

– Strukturelle Rahmenbedingungen: Wie können Gerechtigkeit für LSBTIAQ* nicht nur thematisch mit Haltung vertreten, sondern auch strukturell in unseren Arbeitsräumen verankert werden?

– Quoten-LSBTIAQ* und Verbündete: Welche Rolle spielen bei diesen Fragen individuelle Privilegien und die eigene Sicherheit und was ist zu tun, wenn es doch mal bedrohlich wird?

Gemeinsam werden zunächst Schlaglichter auf die aktuelle gesellschaftliche-rechtliche Situation in ausgewählten Bundesländern und die dadurch existierenden Rahmenbedingungen für die Bildungsarbeit geworfen. Anschließend besteht Raum, sich anhand konkreter Fallbeispiele miteinander auszutauschen, sodass etwaige Handlungs- sowie Lösungsmöglichkeiten durchdacht und kritisch hinterfragt werden können.

Workshopleitung: Bundesausschuss Queer der GEW

Im Bundesausschuss Queer (BA Queer) der GEW vernetzen sich LSBTIAQ* Lehrkräfte, Erzieher*innen, Sozialpädagog*innen, Wissenschaftler*innen und Studierende. Für die Bildungsgewerkschaft GEW geht es bei queeren Themen um eine gleichstellungsorientierte, diskriminierungs- und machtkritische sowie Vielfalt wertschätzende Pädagogik und Bildungspolitik, um die Interessenvertretung der Beschäftigten und eine aktive Antidiskriminierungspolitik.

Als gewerkschaftlich Engagierte sind wir mit Verbänden, Forschungsinstituten, Beratungsstellen und Gruppen innerhalb und außerhalb der GEW vernetzt. Wir tauschen uns aus über unsere berufliche, persönliche sowie gesellschaftliche Situation. Wir diskutieren aktuelle Themen und Probleme, erarbeiten Ratgeber, Analysen, Positionen und bereiten Stellungnahmen vor.

WAHLANGEBOT 4 [Vortrag]: „Queerfeindlichkeit sichtbar machen – Monitoring rechtsextremer Angriffe auf CSDs“ | Lea Lochau und/oder Ronja Pohl (Amadeu Antonio Stiftung)

Im Jahr 2025 erreichten queerfeindliche Straftaten einen neuen Höchststand in Deutschland. Besonders betroffen davon sind Christopher Street Days: noch nie gab es so viele rechtsextreme Störaktionen und Angriffe auf CSDs wie im letzten Jahr.

In dem Vortrag werden die Monitoring-Ergebnisse der Amadeu Antonio Stiftung vorgestellt: wie wurden mindestens 110 CSDs angegriffen, welche Formen nehmen die Angriffe an und wie funktioniert die rechtsextreme Mobilisierung gegen CSDs?

15:00 Uhr Kaffeepause & Rückkehr ins Online-Plenum
15:15 Uhr Closingnote: „Was die Omigeneration so antreibt und warum sich ältere Frauen noch auf die Straßen stellen“ | Marion Schuldt & Marita Schumacher (Omas gegen Rechts)

Seit Jahren leistet der Zusammenschluss von „Omas gegen Rechts“ und deren lokalen Gruppen einen starken Beitrag zum Schutz der Demokratie und kämpft gegen Faschismus, Rassismus, Antisemitismus und Frauenfeindlichkeit. Was sie bereits alles erreicht haben, was sie als Gruppe ausmacht und was ihnen Mut gibt, wird in dieser Closingnote Thema sein.

16:00 Uhr Ende der Veranstaltung

Die Teilnahme an der Veranstaltung ist nach Anmeldung und Bestätigung kostenfrei.

Der Fachtag findet virtuell über Zoom statt.

Der Fachtag wird von Gebärdensprachdolmetschenden in Deutsche Gebärdensprache (DGS) übersetzt und von einem Awarenessteam begleitet.

Anmeldung

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